Geschichte

 
 
Dorausschreier

Bild 1: Skizze Dorausschreier

Dorausschreier

Bild 2: Erste Dorausschreier - Adolf Rieger und Xaver Raichle 1935

Dorausschreier

Bild 3: Die ersten beiden Dorausschreier 1937

Aus der Geschichte der Stadt und der Zunft

Aus der Geschichte der Stadt und der Zunft
Saulgau, im Mittelalter noch Sulgen genannt, war im 14. Jahrhundert von einer Stadtmauer umgeben, in die 4 Tortürme eingebaut waren.

In Notzeiten waren immer 3 Tore verschlossen und die Bürger wurden nur durch das Westtor, Richtung Fulgenstadt, ein- und ausgelassen. An der Straße Richtung Fulgenstadt stand, nach Überlieferungen, eine große, alte Linde. Wohl deshalb wurde ein im Fachwerkstil erbautes Wirtshaus, das unmittelbar neben dem Westtor stand, „Alte Linde“ genannt. Wenn man die Stadt verließ, ging man „bei d’r alte Linde naus“. Durch das hohe Verkehrsaufkommen im 20. Jahrhundert und die enge innerstädtische Bebauung musste das Gebäude in den 1970er-Jahren abgerissen werden.

Man schrieb das Jahr 1355, als der heutige „Dorausbrauch“ zum ersten Mal in der Chronik der Stadt erwähnt wurde. Der Grund war ein todernster. In ganz Europa wütete nämlich die Beulen-Pest, auch der „schwarze Tod“ genannt. Keiner war gegen diese „Geißel der Menschheit“ gefeit, wer sie hatte, war todgeweiht. Die Epidemie raffte ganze Dörfer dahin und war für über die Hälfte der Bevölkerung tödlich. Auch Saulgau und ganz Oberschwaben wurden nicht verschont.

Da zur Krankheit auch noch die Hungersnot kam, gingen angesehene Bürger der Stadt durch die Gassen und in die Nachbardörfer, um für Bedürftige und Kranke Brot und Lebensmittel zu erbetteln. Um nicht erkannt zu werden, gingen sie mit Sackleinen vermummt und ließen sich, da sie eine Ansteckung vermeiden wollten, die Gaben in „Körben an Dorausschreiber Skizze.

Aus diesem todernsten Brauch, der im Jahr 1355 erstmals erwähnt wurde, entstand die Figur des „Dorausschreiers“. Dieser begleitet den Heischegang am Fasnetssonntag, das so genannte „Dorausschreien“, umringt von oft über hundert kreischenden Kindern. Die Kinder riefen in früheren Zeiten den überlangen Bettelvers: „Doraus, Detnaus, d’r Schuster wirft da Gsella naus, leer, leer isch’s Brothaus (Brotlade), drum werfet, Leitla, eppes raus, leer isch’s Brothaus, doraus, detnaus, bei d’r alte Linde naus“. Da dieser lange Spruch aber von keinem Kind fehlerfrei aufgesagt werden konnte und der Schwabe von Haus aus maulfaul ist, übernahm man ihn in abgespeckter Form in die heutige Fasnet. Der jetzt noch gültige Spruch der Saulgauer Kinder beim „Dorausschreien“ heißt: „Doraus, detnaus, bei d’r alte Linde naus“.

Der ehemalige Narrenvater Victor Götz, Bankdirektor der Volksbank Saulgau, und sein Buchhalter Adolf Riegger, sowie dessen Freund, der Textilwarenhändler Xaver Raichle, setzten sich im Jahr 1935 zusammen, um eine Figur zu kreieren, die an den Jahrhunderte alten Brauch auch optisch erinnern sollte. Aus Ermangelung handwerklicher Fachkenntnisse wurde auch der Bildhauer Alfons Scheck hinzugezogen und es entstand auf einem Skizzenblatt der Prototyp des Erste Dorausschreier (Bild 1). Riegger und Raichle waren die ersten, die sich an der Fasnet 1935 im neu gestalteten Häs (Bild 2) beim Dorausschreien unter die große Menge heischender Kinder mischten und damit der Bevölkerung die Geschichte näher brachten. Der Korb war zur Freude der Kinder ohne Boden, denn so konnten sie die Gaben, die durch die Korböffnungen fielen, auffangen und in mitgebrachte Tüten und Rucksäcke verstauen. Ein neues Traditionsbewusstsein war erwacht.

Alfons Scheck schnitzte im Jahre 1937 die ersten beiden Holzmasken für die Dorausschreier. Die eine hatte eine Wurst, die andere einen Fisch im „Maul“. ( Bild 3)

Mit diesem geschichtlichen Hintergrund und durch die neuen Holzmasken wurde die Narrenzunft 1937 auf Antrag in die 1924 gegründete „Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte“ aufgenommen.

Durch die Kriegswirren des 2. Weltkrieges wurden die gerade begonnenen ersten Schritte der Saulgauer jedoch jäh unterbrochen.

 

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